quireboys whitetrashbluesEs scheint als wollen die Briten ihre Schlagzahl auf einem hohen Niveau halten, denn nachdem man lange Jahre nur sporadisch von sich hören ließ, gibt es nun jeden Spätsommer ein neues Output. Und wenn dann mal nicht genug Material für ein Studioalbum vorhanden ist, so bemühen sie eben andere Ideen. So wie vor zwei Jahren, als man mit dem Akustikboxset „St. Cecilia And The Gypsy Soul“ die alten Songs, Standards und neue Kompositionen im Unplugged-Gewand darbot. Einige Titel wie „Gracie B.“ eigneten sich auch zur späteren elektrischen Bearbeitung. Auf der Suche nach Inspiration stolperte auch eine etwas bekanntere Band aus ihrem Heimatland jüngst über den guten, alten Blues. Normalerweise hätte ich zwar eher GUNS ´N´ ROSES im Verdacht gehabt, das nächste Bluescoveralbum zu veröffentlichen. Da die mit „The Spaghetti Incident“ aber schon eine Punkcoverscheibe auf der Habenseite haben, springen die QUIREBOYS mit „White Trash Blues“ für sie ein.

Um es vorweg zu nehmen, gelingt es ihnen ähnlich wie der Konkurrenz von den ROLLING STONES und AEROSMITH nicht ganz in die Tiefe des Blues einzutauchen. Das ist aber letzten Endes eher eine Sache der Produktion und des Masterings als des Spiels der Herren, welche das nötige Feeling schon oft genug bewiesen haben. Zielsetzung der Scheibe war bekannte Bluesstandards mit dem nötigen Respekt zu behandeln, ihnen aber dennoch den eigenen Stempel aufzudrücken. Standard ist dabei auch der richtige Terminus, denn ähnlich wie AEROSMITH (die sich auch schon an „Walkin´The Dog“ versuchten) verlagerten sie sich auf sattsam bekanntes, was Einsteigern den Zutritt erleichtert, während die anderen Briten eher eine Songauswahl für Kenner lieferten.

Wer die QUIREBOYS kennt, und vor allem schon live erlebt hat, der weiß um ihre Spielfreude, die Mannen um Sänger Spike und Gründungsmitglied Guy Griffin gehen voll in ihren Songs auf. Das tun sie auch hier, vielleicht etwas zu sehr, denn ab und an hätte ein Arrangement etwas entschlackt gehört, hier wollte sich jeder vermehrt einbringen. Vielleicht hat sich der Mann an der Blues Harp zu sehr ein Beispiel an Mick Jagger genommen und bläst jene ein wenig zu oft. Als gelegentliche Klangfarbe ist sie immer gerne willkommen, doch hier werden die Einsätze übertrieben. Dabei hätte man auch hier nichts beweisen müssen, denn dass die Harmonika zu ihnen passt wissen wir, ebenso wie von den übrigen Talenten der Formation.

Schon bei Opner „Cross Eyed Cat“ übernimmt sie fast die Führungsrolle, dass man fast annimmt, Spike könne auf seinen Gesang verzichten. Dazu klimpert Keith Weir immer wieder coole Honky-Tonk-Parts rein, die den Song aber am Ende noch mehr überfrachten. An die Größe eines Ian Stewart oder Reese Wynans kommt er zwar nicht heran, doch gerade im Solo von „Shame Shame Shame“ beweist er echte Klasse. Leider sind seine Parts bei „Going Down“ ein wenig zu sehr im Hintergrund, so dass die nicht immer einheitliche Produktion negativ auffällt. Entweder hätte man sie präsenter wirken lassen oder ganz auf die rockige Schwere setzen sollen, welche Freddie King zu Ehren gereicht hätte.

Immer dann, wenn sie es ein wenig lässiger angehen lassen, kommt die Atmosphäre besser zur Geltung. Die Harmonika macht sich nämlich in den Grooves vom mit Slides garnierten „I´m Your Hoochie Coochie Man“ oder „Boom Boom“ sehr gut, wobei die JOHN LEE HOOKER-Nummer noch mit souligen Frauenchören zu gefallen weiß. Ganz besonders stark ist die Truppe, wenn sie das Bluesschema stoisch durchzieht wie beim schweren E-Piano von „I´m Your King Bee“. Obercool tönen die Orgel und Bass im Verbund bei „Help Me“ und im funkigen „I Wish You Would“ bringt jeder nach Belieben eine Vielzahl kleiner Licks unter, welche für die nötige Auflockerung sorgen.

Doch die QUIREBOYS sind in erster Linie eine Spaßband, und als Spaßprojekt ist auch „White Trash Blues“ zu verstehen. Auf die Idee kamen sie, als sie beim “Ramblin´Man Fair“ gefragt wurden, ob sie ein Bluesset spielen könnten. Und trotz kleiner Makel macht die Scheibe richtig Freude, die Sechs präsentieren den Blues sehr frisch und lebendig. Würde ich es nicht besser wissen, so würde ich „Little Queenie“ als eine Komposition von ihnen durchgehen lassen. Und das raue, whiskeygetränkte Organ von Spike röhrt ohnehin wie prädestiniert für so ein Unterfangen. Somit haben die Herren ihre Aufgabe gut und in der von ihnen bekannten Art gelöst, mal sehen, welche Stücke es im Herbst in das Set der Tour schaffen. (Pfälzer)

 

Bewertung:

Pfaelzer7,0 7 / 10


Anzahl der Songs: 12
Spielzeit: 50:39 min
Label: Off Yer Rocka/Soulfood
Veröffentlichungstermin: 08.09.2017

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