leprous thecongregationSo langsam kommt die Karriere der Norweger in Fahrt, was vor allem an ihrer verstärkten Livepräsenz liegt, sie sind ständig unterwegs, um ihre Botschaft unter das Volk zu bringen.  Mit "Coal" ging es schon ein Stück weiter nach vorne, nun liegt "The Congregation" in den Läden. Ein weiterer Vorteil ist ihr Auftreten, welches die von der Band verwendeten eigenen Mitteln unterstreicht und die Truppe homogener wirken lässt. Geschlossen kommt sie auch auf der Bühne rüber, LEPROUS sind ein unerhört guter Liveact. Wie geht ihr Weg mit der neuen Scheibe weiter?

Nach vier Studiowerken hat diese Formation sich bereits ein eigenes Gesicht geschaffen, welches sie mit allen Facetten darzustellen weiß. Vom ersten Ton an ist das unverkennbar was die Jungs hier komponiert haben. In der Tat fällt es schwer, irgendwelche Querverweise zu ziehen, LEPROUS sind auch unerhört eigenständig. Von der Herangehensweise kann man noch Parallelen zum Werdegang ihres Mentors ISHAN ziehen, der ebenso völlig in seiner eigenen Welt aufgeht.
Dabei lösen sie sich mit der neuesten Einspielung ein wenig von der Tveitan-Familie und geben die Produktion ganz in die Hände von Jens Bogren. Dieser hatte schon den Vorgänger gemischt, bei dem ISHAN-Gattin Heidi noch die Aufnahmen betreute. In seinen Fsacination Street Studios verlieh er „The Congregation einen moderneren und druckvolleren Klang, ohne dabei die Kauzigkeit zu untergraben.

Schon alleine das markante, charakteristische Falsett von Einar Solberg drückt den Titeln ihren Stempel auf und macht die Skandinavier unverkennbar. Dabei deckt er alle Facetten ab, er wimmert, er singt klar, beherrscht die großen Melodien und lässt sein Organ aufbrausen, um dann auch mal gelegentlich in schroffe Fach abzudriften. Allzu häufig passiert das nicht mehr, die Metalanteile gelangen kaum noch klar erkennbar an die Oberfläche. Allerdings sind sie immer noch da, nur eben in der etwas harmonischeren Mischung besser in den Gesamtkontext eingebunden.

Nun darf man nicht annehmen, dass LEPROUS von ihrer Radikalität abgerückt sind, immer noch stehen die Gegensätze im Mittelpunkt, nur kommen sie hier mehr in den Fluss. Schon die ersten Takte kommen dissonant und stellen die Frage, ob das noch Prog ist oder schon Avantgarde, ob man überhaupt noch von New Artrock sprechen kann, oder sich das Ganze endgültig in die Postmoderne verabschiedet hat? Es herrscht immer eine bedrückende Spannung, als stünde der nächste Ausbruch bevor, der jedoch nicht kommt, wodurch die Intensität noch erhöht wird.
Tor Oddmund Suhrke und Oystein Landsverk sind Meister ihres Fachs und hauen bislang nie gehörte Riffs heraus, ohne ihre technischen Fähigkeiten allzu sehr zur Schau zu stellen. Sie müssen auf der neuen Platte auch weniger gegen das Keyboard von Solberg anspielen, die auf der Bühne gezeigte Kompaktheit manifestiert sich auch im Studio. Leider gelingt es ihnen dennoch nicht, eine gewisse Kopflastigkeit zu verbergen. Bei aller Klasse kommt manches konstruiert rüber, die Atmosphäre wie etwa beim sehr dynamischen „Slave" wird selten erreicht.

Das ist der Preis, den man zahlen muss, wenn man sich von gängigen Mustern verabschiedet, der Hörer findet kaum Zugang zu der Scheibe. Selbst die harmonischen Parts tönen derart weit draußen, dass man keinen direkten Zugriff findet. Dabei ist das kompositorisch streckenweise großartig, ob im getragenen „The Flood", dem geradeaus rockende „The Fence Within", dem flirrenden „Triumphant" oder dem ruhigen „Down". Den Jungs gelingt mit „The Congregation" zwar das reifste und konsistenteste Werk bislang, trotzdem muss man sich dieses erst erarbeiten wie bei den bisherigen. Wer immer auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen ist, wird bei dieser im wahrsten Sinne des Wortes progressiven Truppe fündig, für alle anderen bleibt es schwierig. (Pfälzer)

Bewertung: 7 / 10

Anzahl der Songs: 11
Spielzeit: 65:45 min
Label: Inside Out
Veröffentlichungstermin: 25.05.2015

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